Behandlungsprogramme (DMP)

Disease-Management-Programme (DMP)

Fast 20 % der Bundesbürger gelten als chronisch krank. Als chronische Krankheiten werden lang andauernde Krankheiten bezeichnet, die nicht vollständig geheilt werden können und einer wiederkehrenden Behandlung bedürfen. Um den Behandlungsablauf und die Qualität der medizinischen Versorgung chronisch Kranker zu verbessern, legt das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland (Gemeinsamer Bundesausschuss) in Richtlinien geeignete chronische Krankheiten fest, für die strukturierte Behandlungsprogramme entwickelt werden sollen. Diese Programme stellen einen verbindlichen Leitfaden dar, der insbesondere folgende Kriterien berücksichtigt:

–    Behandlung nach dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft
–    Qualitätssicherungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der Ergebnisse
–    Schulung der teilnehmenden Ärzte und der Versicherten
–    Dokumentation
–    Bewertung der Auswirkungen der Versorgung in den Programmen (Evaluation)

Eines der Kernanliegen der DMP ist eine aktive Einbindung der Patienten in den Behandlungsverlauf. Diese patientenzentrierte Vorgehensweise soll den Versicherten dazu befähigen, den Krankheitsverlauf besser zu bewältigen und wesentliche Therapiemaßnahmen selbstverantwortlich umzusetzen. Die Ärzte stellen sicher, dass unter Berücksichtigung der  Ergebnisse der aktuellen wissenschaftlichen Forschung behandelt wird. Der behandelnde Arzt koordiniert die medizinische Versorgung, er berät in allen Fragen und prüft, ob und welche Spezialisten hinzugezogen werden sollen. Die Teilnahme ist freiwillig und für den Versicherten kostenfrei.

Für folgende Indikationen bieten die Betriebskrankenkassen derzeit das Behandlungsprogramm BKK MedPlus an:

  • Asthma bronchiale (seit 2006)
    Asthma bronchiale ist eine chronische entzündliche Erkrankung der Atemwege. Die Krankheitshäufigkeit des Asthma bronchiale in Deutschland wird auf ca. 5% bei Erwachsenen und 10% bei Kindern geschätzt. Bei Kindern ist Asthma bronchiale die häufigste chronische Erkrankung. Das Behandlungsprogramm zielt insbesondere auf die Erhaltung und die Verbesserung der asthmabezogenen Lebensqualität und der Steigerung der Lebenserwartung ab. Es wird eine optimale Symptomkontrolle angestrebt. Durch eine adäquate Betreuung und den kompetenten Umgang der Patienten mit der Erkrankung kann der Gesundheitszustand, das Risiko des Auftretens von Folgekrankheiten und die Lebensqualität positiv beeinflusst werden.
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) (seit 2006)
    Die COPD ist eine chronische, in der Regel progrediente Atemwegs- und Lungenerkrankung. Basierend auf den Angaben zur Symptomhäufigkeit leiden nach dem Gesundheitsbericht für Deutschland 1998 10 bis 30 % der Erwachsenen in Deutschland an einer chronischen Bronchitis. Von diesen Menschen entwickeln wahrscheinlich 15 bis 20 % eine obstruktive Lungenerkrankung.Die Erhaltung und Verbesserung der COPD-bezogenen Lebensqualität steht im Vordergrund. Die Therapie soll dazu beitragen, die Lebenserwartung zu erhöhen. Bei COPD vermag der Patient durch Selbstmanagement und über eine Verhaltensänderung bei lebensstilassoziierten Risikofaktoren, Vermeidung COPD-auslösenden Faktoren und körperlichem Training, den Krankheitsverlauf deutlich positiv zu beeinflussen.
  • Diabetes mellitus Typ I (seit 2005)
    Als Diabetes mellitus Typ 1 wird die Form des Diabetes bezeichnet, die durch absoluten Insulinmangel aufgrund einer sukzessiven Zerstörung der Betazellen in der Regel im Rahmen eines Autoimmungeschehens entsteht. Schätzungsweise 300.000 bis 600.000 Kinder und Erwachsene sind vom Diabetes mellitus Typ 1 betroffen. Eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit ist zu erwarten.Die Therapie dient der Verbesserung der von einem Diabetes mellitus beeinträchtigten Lebensqualität, der Vermeidung diabetesbedingter und –assoziierter Folgeschäden sowie Erhöhung der Lebenserwartung. Das eigenverantwortliche Krankheitsmanagement soll in besonderem Maße gefördert und entwickelt werden. Den Betroffenen soll eine normale körperlich-geistige, soziale und berufliche Entwicklung ermöglicht werden.
  • Diabetes mellitus Typ II (seit 2003)
    Als Diabetes mellitus Typ 2 wird die Form des Diabetes bezeichnet, die durch relativen Insulinmangel aufgrund einer Störung der Insulinsekretion entsteht und in der Regel mit einer Insulinresistenz einhergeht.Durch eine frühzeitige Diagnostik, eine qualifizierte Schulung und Betreuung sowie eine individualisierte Therapie kann die Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten deutlich erhöht werden.
  • Koronare Herzkrankheit (KHK – seit 2004) inklusive Modul Herzinsuffizienz (seit 2010)
    Die Koronare Herzkrankheit ist die Manifestation einer Arteriosklerose an den Herzkranzarterien. Sie führt häufig zu einem Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot im Herzmuskel.Die chronische Herzinsuffizienz ist die Unfähigkeit des Herzens, den Organismus mit ausreichend Blut und damit mit genügend Sauerstoff zu versorgen, um Stoffwechsel unter Ruhe- wie unter Belastungsbedingungen zu gewährleisten. Frühzeitige Diagnostik, Sicherung und Verbesserung der Langzeitversorgung durch einen strukturierten kontinuierlichen Behandlungsverlauf, Verbesserung der Symptomatik und Lebensqualität, Erhöhen der Lebenserwartung sowie Information und Motivation zur aktiven Teilnahme stehen im Vordergrund.
  • Brustkrebs (seit 2003)
    Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung der Frau. Trotz medizinischer Fortschritte in Diagnostik und Therapie ist die Diagnose Brustkrebs für die Frau eine besondere Belastung und für die Medizin eine Herausforderung.Ziel ist die interdisziplinäre, sektorenübergreifende Behandlung in einer integrierten Versorgungsform mit der notwendigen fachkompetenten Versorgungsinfrastruktur. Den an Brustkrebs erkrankten Frauen wird besonders durch individuelle Beratung und Informationen die Möglichkeit gegeben, stärker aktiv am Behandlungsprozess mitzuwirken.

Weitere allgemeine Informationen zu den strukturierten Behandlungsprogrammen finden Sie unter www.bkkmedplus.de
Spezielle Auskünfte erhalten Sie bei Ihrer Betriebskrankenkasse.