Pressemitteilungen

Grobe Missstände in der Antibiotikaverordnung

Der zu häufige Einsatz von Antibiotika ist eine Ursache für die Entwicklung von multiresistenten Keimen. Also Krankheitserregern, gegen die immer weniger Antbiotika wirken.
Die BKK-Landesverbände NORDWEST und Mitte untersuchten daher, wie häufig Antibiotika in ihrem Verbandsgebiet verordnet wurden. Für die Studie haben die Betriebskrankenkassen ihre Abrechnungsdaten von Anfang 2014 bis Mitte 2015 analysiert. In dieser Zeit bekamen von den rd. sieben Millionen Versicherten in 13 Bundesländern rd. 1,7 Millionen ein Antibiotikum verschrieben. In NRW, Rheinland Pfalz und dem Saarland erhielten die Menschen doppelt so viele Medikamente wie in Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern. Die BKK Studie zeigt, dass in Deutschland rd. 95 % der ärztlich verordneten Antibiotika ohne diagnostische Absicherung verschrieben werden.
Von den rd. 2,5 Millionen BKK-Versicherten in NRW bekamen mehr als eine Million eine Antibiotikaverordnung. Die Ärzte in NRW zählen zu den verschreibungsfreudigsten im Bund. Jeder dritte Patient bekommt zwei oder mehr Antibiotika, rd. fünf Prozent sogar drei oder mehr Verordnungen. Nur bei 4,8 Prozent der NRW-Patienten war gesichert, dass ihnen das Mittel auch nützt.
Dr. Dirk Janssen, stellv. Vorstand des BKK-Landesverbandes NORDWEST: „Es werden zu viel Antibiotika verordnet, weil sie ungezielt oder für Erkrankungen, wo sie nicht wirken, eingesetzt werden.“ Selbst Reserveantibiotika werden weitgehend ohne Wirksamkeitstest eingesetzt.

Der BKK-Landesverband NORDWEST hat hierzu konkrete Gesetzesvorschläge vorgelegt. Diese beinhalten:
1.    Die Beauftragung des Gemeinsamen Bundesausschusses, eine qualitätsgesicherte Antibiotikatherapie, inklusive der Regelung des Einsatzes von vorhandener und weiter zu verbessernder Diagnostika zu erlassen
2.    Die Beauftragung des Bewertungsausschusses zur Anpassung des EBM
3.    Die Errichtung eines bundesweiten Keimregisters

 

Zur aktuellen Kritik des NAV-Virchow-Bundes erklärt der BKK-Landesverband NORDWEST:

Seitens einzelner Ärztefunktionäre werden unsere Untersuchungsergebnisse angesichts der tabellierten Darstellung einzelner Ergebnisse als „Unwissenschaftlich“ und „willkürliche Zusammenstellung von statistischen Daten“ abqualifiziert. Wir weisen darauf hin, dass es sich bei den Tabellen um die komprimierte Form im Sinne einer Pressemappe handelt. Unsere Untersuchung basiert auf den vollständigen  Arzneimittelverordnungs- und vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von mehr als 6,8 Mio. BKK-Versicherten.  Die Kritik ist der natürliche Reflex auf unbequeme Realitäten.

 

Der BKK-Landesverband NORDWEST vertritt die Interessen der Betriebskrankenkassen und stellt die Versorgung der Versicherten in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sicher. Aktuell zählt der BKK-Landesverband NORDWEST 21 Betriebskrankenkassen mit fast 3 Millionen Versicherten.

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Pflegestützpunkte in Deutschland

Hier erhalten Pflegebedürftige, Angehörige und andere interessierte Personen kompetente Auskünfte und Beratungen bis hin zur Koordination erforderlicher Leistungen im Einzelfall.