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Immer noch zu wenig Hygienepersonal in deutschen Krankenhäusern – BKK fordert bundesweite Standards

Viele Krankenhäuser in Deutschland beschäftigen immer noch zu wenig Hygienepersonal. Das ergab jetzt eine Auswertung des BKK-Landesverbandes NORDWEST bei den Qualitätsberichten (Jahre 2013/2014) der rd. 2.000 bundesdeutschen Krankenhäuser.
Diese Qualitätsberichte sind im Internet einsehbar und sollen für Patienten bei der Entscheidung für oder gegen ein Krankenhaus hilfreich sein.
Jedoch ist die Angabe der bloßen Zahlen für Patienten völlig wertlos. Aus den Berichtsangaben sei nicht zu ersehen, ob z. B. Krankenhaushygieniker extern und intern beschäftigt sind. Auch fehlten Angaben zum Stundenumfang der Tätigkeit (hauptamtlich, halbtags, stundenweise/tageweise, Begehungen durch externe Hygieniker).
„Wir haben bei der Krankenhaushygiene kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, stellt Dr. Dirk Janssen, stellv. Vorstand des BKK-Landesverbandes NORDWEST, fest. „Ich frage mich, warum brauchen wir immer erst eine Katastrophe, ein „Fukushima“, um die Weichen neu zu stellen?!“ Wie bei der Energiewende brauchen wir auch bei den Krankenhäusern einen ehrgeizigen, langfristigen Plan. Eine Hygienewende.
Laut Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums zufolge sterben jedes Jahr ca. 15.000 Menschen in deutschen Krankenhäusern an gefährlichen Infektionen. Der Handlungsdruck ist also groß, der steigenden Gefahr durch Krankenhauskeime effektiv und schnell entgegen zu wirken.
Spätestens zu Beginn der nächsten Legislaturperiode benötigen wir ein Gesetz zur Einleitung des Krankenhausstrukturwandels.

Der BKK-Landesverband NORDWEST fordert:
–    ein konsequentes Eingangsscreening in jedem Krankenhaus, um infizierte Patienten gleich zu isolieren
–    Daten zu erheben und so die Resistenzsituation besser abbilden zu können
–    konsequente Umsetzung der Hygienepläne
–    verpflichtende und einheitliche personelle Mindestausstattungen für Pflege- und Reinigungs- sowie Hygienepersonal; derzeit gibt es keine einheitlichen Vorgaben in den Landeshygieneverordnungen
–    unabhängige und unangemeldete Kontrollen der Hygienepläne und des Personalschlüssels
„Das alles wird sehr viel Geld kosten und nur zu finanzieren sein, wenn wir das Geld nicht per Gießkanne, sondern es auf die versorgungspolitisch notwendigen Häuser beschränken“, sagt Janssen. „Das heißt: Wir müssen die bestehenden Krankenhausüberkapazitäten, 1/3 aller Krankenhäuser, gleichzeitig abbauen.“ Janssen spricht sich in diesem Zusammenhang auch für die bundesweite Einführung von Hygiene-Prüfsiegel für Krankenhäuser aus. „Denn selbst für Elektrogeräte gibt es Sicherheits-Prüfsiegel“, so Janssen. Patienten sollen sich sicher sein können, dass das Krankenhaus ihrer Wahl gute Hygienestandards sicherstellt. Hierzu sollte ein bundesweiter Standard entwickelt werden.
Der 10-Punkte-Plan von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sei ein erster notwendiger, aber noch nicht ausreichend konkreter Schritt.

Nähere Informationen auf www.bkk-nordwest.de, https://correctiv.org/ und www.daserste.de Sendung „Plusminus“.

Der BKK-Landesverband NORDWEST vertritt die Interessen der Betriebskrankenkassen und stellt die Versorgung der Versicherten in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sicher. Aktuell zählt der BKK-Landesverband NORDWEST 21 Betriebskrankenkassen mit fast 3 Millionen Versicherten.

Ansprechpartner:
Karin Hendrysiak, Pressesprecherin
Tel.: 0201/179-1511, Mobil: 0170/9235426
E-Mail: Karin.Hendrysiak@bkk-nordwest.de

 

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