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Mangelnde Routine bei Hüftoperationen: Jede siebte Komplikation und Wiederholungs-OP vermeidbar

Essen/Hamburg, 29.5.2017. Bei vielen Patienten mit Schmerzen in der Hüfte wird eine Hüft-Endoprothese irgendwann unvermeidlich. Anschließend soll der Patient viele Jahre sorgen- und schmerzfrei leben können. Tatsächlich erleben viele Patienten das Gegenteil: Ein vorzeitiger Wechsel der Hüftprothese kann dann notwendig werden, wenn es zu einer Lockerung des Implantats, einer ausgedehnten bakteriellen Infektion oder Luxationen (auskugeln) des künstlichen Gelenkes kommt. Der Austausch der Hüft-Endoprothese ist aufwändiger und anspruchsvoller als ihre Erstimplantation, weshalb es von größter Bedeutung ist, von einem erfahrenen Operateur behandelt zu werden. Eine aktuelle Analyse des BKK-Landesverbandes NORDWEST zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und vorzeitigen Hüftprothesenwechsel bei Kliniken, die nur wenige Eingriffe durchführen, um 40% höher ist als bei Krankenhäusern mit größeren Erfahrungen.

Zentrale Ergebnisse der Auswertung

63% aller Krankenhäuser in Hamburg und NRW führen im Durchschnitt lediglich jeden dritten Tag eine Hüft-OP durch. Bei diesen Kliniken ist die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Hüftprothesenwechsel oder einer Komplikation um 40% größer als bei Häusern, die im Schnitt rund zwei Operationen pro Tag durchführen und damit über deutlich mehr Routine verfügen.

Somit wären jährlich bei rund 500 Hüft-Operierten in NRW und Ham-burg Komplikationen bzw. Wiederholungen des Eingriffs vermeidbar. Neben dem unnötigen Leid der Patienten verursacht ein Folgeeingriff zwischen 9.600 und 13.000 Euro an zusätzlichen Kosten, insgesamt mehr als fünf Millionen Euro jährlich. Prof. Dr. Thorsten Gehrke, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung Gelenkchirurgie der HELIOS ENDO-Klinik Hamburg: „Jeder Arzt und nicht nur jede Klinik sollte bei Erstoperationen mindestens 80, besser 100 Prothesen pro Jahr implantieren, bei Nachoperationen, sogenannten Revisionen, sollten es mindestens 30 bis 40 sein. Nur so kann die hohe Qualität in der Endoprothetik gesichert werden!“ Prof. Gehrke weiter: „Revisionen aufgrund einer Keiminfektion sollten es ohnehin nur noch in Spezialkliniken operiert werden, deren Operateure über einen großen Erfahrungsschatz und viel Routine verfügen.“

Die Krankenhäuser sind derzeit nicht verpflichtet, ihre Komplikations- und Revisionsdaten zu veröffentlichen. Dirk Janssen, stellvertretender Vorstand des BKK-Landesverbandes NORDWEST: „Während sich die meisten Menschen bei Handwerkern über deren Berufserfahrung oder Referenzen erkundigen, wird bei Krankenhäusern oft von einer gleichen Qualität ausgegangen. Unsere Zahlen belegen jedoch einen klaren Zusammenhang zwischen dem Erfahrungsschatz einer Klinik und der Qualität des Eingriffs. Wir können derzeit nur allen Patienten raten, sich vor einem notwendigen Eingriff bei den Kliniken über deren Eingriffshäufigkeit zu informieren.“

Der BKK-Landesverband NORDWEST fordert weiterhin:

  • Die konsequente Festlegung von Mindestmengen für alle endoprothetischen Operationen (Hüfte- Knie, Schulter) und damit Ausschluss aller Kliniken, die über keine ausreichenden Opera-tionsroutinen verfügen. Ergänzt werden sollte diese Mindestmenge je Krankenhaus auch um eine  Mindestmenge an Operationen, die jeder einzelne Operateur jährlich vorzuweisen hat.
  • Verpflichtung der Krankenhäuser, im Rahmen der Qualitätsberichte auch über die Anzahl der Komplikationen und Revisionen bei endoprothetischen Leistungen zu berichten.

Datenauswertung

Grundlage der Auswertung bilden die Abrechnungsdaten von BKK-Versicherten aus sieben Jahren (2010-2016) in Hamburg und NRW. Untersucht wurden die im Jahr 2010 durchgeführten planbaren Hüft-OPs und deren Verlauf in Hinblick auf vorzeitige Wiederholung des Eingriffs oder eine auftretende Komplikation. Insgesamt umfasst die Auswertung 201 Krankenhäuser.
Für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Operationsroutine und Wahrscheinlichkeit eines wiederholten Eingriffs bzw. einer Komplikation, wurden die Krankenhäuser anhand der Zahl ihrer Eingriffe in drei vergleichbare Cluster eingeteilt, wobei in Kliniken des Cluster 1 die wenigsten und in Cluster 3 die meisten OPs durchgeführt wurden:

NRW und Hamburg

Datenauswertung NRW Hamburg

NRW

Datenauswertung NRW

Zahlen für NRW = 179 Krankenhäuser

3. Absatz:… 500 Hüft-Operationen in NRW und Hamburg – ZAHLEN FÜR NRW = 430 Fälle

 

Ansprechpartner:
Karin Hendrysiak, Pressesprecherin
Tel.: 0201/179-1511
Mobil: 0170/9235426
E-Mail: Karin.Hendrysiak@bkk-nordwest.de