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Maßnahmen gegen Krankenhauskeime greifen zu kurz – BKK fordern nationalen Aktionsplan

Bei 5 von 1.000 Schleswig-Holsteiner Krankenhauspatienten wurden im letzten Jahr gefährliche multiresistente Erreger (MRE) festgestellt. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung von Krankenhausdaten der Betriebskrankenkassen. 2010 waren es noch 4 von 1.000 Patienten. Insgesamt haben sich im letzten Jahr in Schleswig-Holstein 313 (2010: 264) BKK-Versicherte mit einem MRE infiziert, teilweise mit tödlichem Verlauf oder mit lebenslangen Komplikationen. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Zahl von 2010 bis 2014 von 3 auf 6 von 1.000 Patienten, 271 BKK-Versicherte waren betroffen (2010: 162).

Ein isoliertes Anprangern von Hygieneproblemen einzelner Krankenhäuser, in denen es aktuell zu Todesfällen kam, greift zu kurz. Die Ursachen für das zunehmende Keimproblem liegen u. a. darin, dass aufgrund des immer noch zu sorglosen Einsatzes von Breitbandantibiotika und insbesondere im massenhaften Antibiotikaeinsatz in der Tiermast immer mehr Antibiotika wirkungslos bleiben.

Die Betriebskrankenkassen fordern einen nationalen Aktionsplan, damit die Keimbekämpfung erfolgreich sein kann:

– Konsequente Ursachenbekämpfung der Resistenzentwicklung durch eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie
– Weniger Antibiotika in der Tiermast auf nationaler und EU-Ebene
– Einführung eines bundeseinheitlichen Melderegisters für MRE-Fälle
– verpflichtendes Screening von Krankenhauspatienten auf Keimbelastung vor der Klinik-Einweisung
– Überprüfung der Klinik-Infrastruktur auf die steigenden Anforderungen der Behandlung von MRE-belasteten Patienten
– verpflichtende Kontrollen der Krankenhaus-Hygienepläne auf Umsetzung und ausreichendem Einsatz qualifizierten Personals durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK)
– Entwicklung von unkomplizierteren MRE-Schnelltests
– Hygiene-Schulungen müssen eine gesellschaftliche Daueraufgabe werden.

Dr. Dirk Janssen, stellv. Vorstand BKK-LV NORDWEST: „Wollen wir nicht, dass schon bald normale Infektionen wegen unwirksamer Antibiotika zu lebensbedrohlichen Verläufen führen, brauchen wir jetzt einen nationalen Aktionsplan anstelle des Flickenteppichs von lokalen Maßnahmen. Dies wird aufgrund der Vielschichtigkeit des Problems weder einfach noch billig. Ansonsten droht aber ein medizinischer Rückschritt um fast 100 Jahre, bevor das Penicillin erfunden wurde. Das muss im Interesse der Patienten verhindert werden!“

Vorbild könnte, so Janssen, die konsequente Reduzierung der durch Verkehrsunfälle tödlich Verunglückten sein, bei der durch Vorschriften, Verbesserung der Fahrzeugsicherheit, Verhaltensänderungen und Anpassungen der Infrastruktur die Zahl der tödlichen Unfälle von 11.000 in den 90er Jahren auf heute 3.500 erheblich gesenkt werden konnte.

Experten schätzen, dass jährlich mehrere zehntausend Menschen in Deutschland an den multiresistenten Keimen sterben. Da es bisher kein zentrales Meldeverfahren gibt, dürfte die Dunkelziffer noch deutlich höher sein.

Die Betriebskrankenkassen versichern in Schleswig-Holstein insgesamt rund 380.000 Mitglieder und ihre Familienangehörigen und sind drittgrößter gesetzlicher Krankenversicherer.

Ansprechpartner:
BKK-Landesverband NORDWEST – Hauptverwaltung Hamburg
Thomas Fritsch, Pressesprecher
Tel. 040/ 251505-258, presse@bkk-nordwest.de