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Mehr Infektionen durch Krankenhauskeime in NRW als Bundesdurchschnitt

Bei sieben von 1.000 Krankenhauspatienten in NRW wurden im letzten Jahr (2014) gefährliche Multiresistente Erreger (MRE) festgestellt. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des BKK-Landesverbandes NORDWEST von Krankenhausdaten. Insgesamt haben sich im letzten Jahr (2014) 4.043 BKK Versicherte mit einem MRE infiziert, teilweise mit tödlichem Verlauf oder mit lebenslangen Komplikationen. Damit liegt NRW über dem Durchschnitt (hier waren es knapp sechs von 1.000 Krankenhauspatienten).
Der BKK-Landesverband NORDWEST fordert einen nationalen Aktionsplan, damit die Keimbekämpfung erfolgreich sein kann:
•    Konsequente Ursachenbekämpfung der Resistenzentwicklung durch eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie
•    Weniger Antibiotika in der Tiermast auf nationaler EU-Ebene
•    Einführung eines bundeseinheitlichen Melderegisters für MRE-Fälle
•    Verpflichtendes Screening von Krankenhauspatienten auf Keimbelastung vor der Klinik-Einweisung
•    Überprüfung der Klinik-Infrastruktur auf die steigenden Anforderungen der Behandlung von MRE-belastenden Patienten
•    Verpflichtende Kontrollen der Krankenhaus-Hygienepläne auf Umsetzung und ausreichendem Einsatz qualifizierten Personal durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK)
•    Entwicklung von unkomplizierten MRE-Schnelltests
•    Hygiene-Schulungen müssen eine gesellschaftliche Daueraufgabe werden.

Dr. Dirk Janssen, stellv. Vorstand des BKK-Landesverbandes NORDWEST: „Wollen wir nicht, dass schon bald normale Infektionen wegen unwirksamer Antibiotika zu lebensbedrohlichen Verläufen führen, brauchen wir jetzt einen nationalen Aktionsplan anstelle des Flickenteppichs von lokalen Maßnahmen. Ansonsten droht ein medizinischer Rückschritt um fast 100 Jahre, bevor das Penicillin erfunden wurde. Das muss im Interesse der Patienten verhindert werden.“
Experten schätzen, dass jährlich mehrere zehntausend Menschen in Deutschland an den multiresistenten Keimen sterben. Da es bisher kein zentrales Meldeverfahren gibt, dürfte die Dunkelziffer noch deutlich höher sein.

Ansprechpartnerin:
Karin Hendrysiak
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