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MZEB will ärztliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen in Hamburg verbessern

HAMBURG, 31.03.2015
Hamburgs Krankenkassen, die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) und die Evangelische Stiftung Alsterdorf (ESA) wollen die ambulante medizinische Versorgung von Erwachsenen mit geistigen und komplexen Mehrfachbehinderungen verbessern. Zu diesem Zweck wird das „Medizinische Zentrum für erwachsene Menschen mit Behinderungen“ (MZEB) aufgebaut, das im April seine Arbeit aufnehmen wird.
Erwachsene mit geistigen und komplexen Mehrfachbehinderungen haben oftmals Probleme, Behandlungen bei niedergelassenen Ärzten in Anspruch zu nehmen. Viele Arztpraxen sind beispielsweise nicht in dem Maße barrierefrei zugänglich, als dass Patientinnen und Patienten mit Mehrfachbehinderungen hier in adäquater Weise umfassend behandelt werden könnten. Vielen dieser Patienten fällt es zudem schwer, sich zu artikulieren. Ihre Erkrankungen stellen sich im Zusammenhang mit der bestehenden Behinderung oftmals anders dar als dies bei Menschen ohne Behinderungen der Fall ist.
Angegliedert an das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf stehen am MZEB besonders weitergebildete Ärzte der Fachrichtungen Neurologie, Innere Medizin, Psychiatrie und Orthopädie/ Neuro-Orthopädie sowie Pflegekräfte und Therapeuten zur Verfügung, um (im Quartal geschätzt 800) Patienten mit besonderen Herausforderungen erweiterte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten anzubieten. Ziel ist, durch die interdisziplinäre Arbeit des MZEB die Behandlung durch den wohnortnahen, niedergelassenen Arzt zu optimieren. Patienten brauchen eine Überweisung durch den niedergelassenen Vertragsarzt für das MZEB. Das MZEB steht für Menschen mit einem Schwerbehindertengrad von mindestens 70 zur Verfügung.
Finanziert wird das MZEB auf Basis von Quartalspauschalen durch die gesetzlichen Krankenkassen, an denen sich die KV mit rund einem Drittel der Kosten je Fall und Quartal beteiligen wird.
Ulrich Scheibel, Vorstand der Evangelischen Stiftung Alsterdorf: „Mit dem MZEB wollen wir die wohnortnahe Regelversorgung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und der Inklusion gezielt unterstützen und ergänzen. Es handelt sich um ein bundesweit einmaliges Angebot, das auf die Bedürfnisse der erwachsenen Menschen mit komplexen Behinderungen zugeschnitten ist. Ein großer Schritt zur Verbesserung der medizinischen Versorgung dieser Menschen.“
Dr. Dirk Janssen (stellv. Vorstand BKK-Landesverband NORDWEST) betont für die gesetzliche Krankenversicherung: „Alle Hamburger Krankenkassen waren sich einig, dass in Hamburg ein
großer Bedarf für ein MZEB besteht – und dass Patienten mit komplexen Behinderungen nicht zuletzt wegen der UN-Behindertenrechtskonvention das Recht auf die gleiche Versorgung haben wie Hamburgerinnen und Hamburger ohne Behinderung.“
Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg, sieht in dieser Einigung eine generelle Verbesserung der ambulanten Behandlung von geistig und mehrfach behinderten Patienten: „Diese Patientengruppe stellt besonders hohe Anforderungen an Ausstattung und Zeit, die flächendeckend gar nicht darzustellen sind. Aus diesem Grund begrüßen wir es, diesen Menschen nun ein Versorgungsangebot in einem auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Zentrum machen zu können.“

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