Exklusiv-Projekte in der Selbsthilfeförderung

In-Gang-Setzer - Selbsthilfe auf den Weg bringen

In-Gang-Setzer® – Selbsthilfe auf den Weg bringen – ein neuer Weg in der Selbsthilfeunterstützung

Ein bundesweites Projekt des Paritätischen Nordrhein-Westfalen und der Betriebskrankenkassen

Das Konzept der In-Gang-Setzer®
Bundesweit ist ein wachsendes Interesse an Selbsthilfegruppen festzustellen. Die Anfangsphase einer Gruppe ist jedoch vielfach eine Zeit der Unsicherheit und Verletzbarkeit. Gerade den an Selbsthilfe interessierten Personen fehlen oft die kommunikativen Fähigkeiten, die Startphase einer Gruppe konstruktiv zu gestalten. Für viele an Selbsthilfe Interessierte würde deshalb eine Begleitung eine große Ermutigung darstellen. Aus Dänemark kam hierzu der Impuls der „In-Gang-Setzer“. Der Paritätische Nordrhein-Westfalen hat seit 2005 die Idee weiterentwickelt und mit großem Erfolg umgesetzt. Diese Erfahrungen bildeten die Basis für ein bundesweites Projekt.
Seit Projektbeginn wurden kontinuierlich neue Kontaktstellen in das Projekt einbezogen. 2007 waren acht Kontaktstellen beteiligt, im Zeitraum 2011 bis 2014 waren es um 30 und 2018 über 40 Kontaktstellen. Das große Interesse an der Arbeit mit In-Gang-Setzern zeigt den anhaltenden Bedarf an neuen Unterstützungsmöglichkeiten.

• Zurzeit sind 40 Selbsthilfe-Kontaktstellen aus sieben Bundesländern beteiligt.
• Die unterstützten Selbsthilfegruppen kommen schwerpunktmäßig aus den Bereichen psychische Probleme und chronische Erkrankungen.
• Aktuell werden spezielle Unterstützungsmöglichkeiten Menschen mit Migrations-hintergrund und für Pflegende Angehörige erprobt.
• Mitte 2018 fand „die 1.000-ste In-Gang-Setzung“ statt! D. h., über 1.000 Selbsthilfegruppen konnten durch In-Gang-Setzer neu auf den Weg gebracht werden.
• Über 70 % davon waren nach der In-Gang-Setzung so stabil, dass sie fortan selbständig tätig sein konnten.

Ein neuer Weg in der Selbsthilfe-Unterstützung: In-Gang-Setzer®
• Das bundesweite Projekt begann 2007.
• Es wird durchgeführt vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Nordrhein-Westfalen.
• Die Projektfinanzierung haben die Betriebs-Krankenkassen übernommen (vorrangig der BKK-Dachverband und der BKK-Landesverband NORDWEST).

In-Gang-Setzer® umschreibt ein methodisches Konzept im Rahmen der Unterstützung von Selbsthilfegruppen und ist markenrechtlich geschützt. Der Ansatz beruht auf der Abnahme, dass ehemalige Mitglieder von Selbsthilfegruppen und / oder mit Selbsthilfe vertraute und geschulte Ehrenamtliche eine hohe Akzeptanz finden bei den Menschen, die sich in einer Selbsthilfegruppe engagieren (möchten).

In-Gang-Setzer sind ehrenamtliche Mitarbeiter*innen der Selbsthilfe-Kontaktstellen:
Sie stehen – gemeinsam mit der Kontaktstelle – zeitlich begrenzt den Selbsthilfegruppen (zumeist in der Startphase) zur Seite.

Sie unterstützen die Teilnehmer*innen dabei, miteinander zu reden und sich vertraut zu machen und achten auf förderliche Rahmenbedingungen für die Gruppenarbeit.

Am themenbezogenen Austausch der Gruppe beteiligen sie In-Gang-Setzer ausdrücklich nicht!

Die inhaltliche Abstinenz ist ein Schutz für die In-Gang-Setzer wie für die Gruppen. Es dürfen keine neuen Abhängigkeiten geschaffen werden, sondern die In-Gang-Setzung muss den Boden bereiten für eine Selbsthilfegruppe, die nach einer zeitlich begrenzten Begleitung alleine ihren eigenen Weg findet und dann selbstständig weitergeht.

Das Konzept der In-Gang-Setzer wird getragen von einer Haltung, die gut zu dem Ansatz von Selbsthilfe-Kontaktstellen passt. Die lokalen Kontaktstellen übernehmen die Auswahl der für eine In-Gang-Setzung infrage kommenden Selbsthilfegruppen sowie Anwerbung, Auswahl und Begleitung der In-Gang-Setzer. Deren Schulung wird durch die Projektleitung geleistet. Die In-Gang-Setzer treffen sich regelmäßig mit der Kontaktstelle, um gemeinsam das eigene Engagement zu reflektieren, Überbelastungen vorzubeugen und ggf. Unterstützung abzufragen.

Ermutigende Bilanz
Bis 2017 haben über 300 Interessierte an den In-Gang-Setzer-Basis-Schulungen teilgenommen. Rund die Hälfte aller geschulten In-Gang-Setzer war 2017 noch aktiv. Einige In-Gang-Setzer sind aus Alters- und Krankheitsgründen oder wegen eines Umzugs ausgeschieden, andere haben neue Aufgaben als Ehrenamtliche in der Kontaktstelle übernommen.

Die In-Gang-Setzer begleiten die neuen Selbsthilfegruppen durchschnittlich viermal im Zeitraum von einem Vierteljahr. Der Anteil der Gruppen für Menschen mit psychischen Erkrankungen war erwartungsgemäß hoch. Überraschend war der hohe Anteil der Angehörigen-Gruppen, unter anderem zu den Themen Pflege und Demenz. Diese Gruppen kommen selten ohne Unterstützung zustande, eine längere Begleitung kann stabilisierend wirken.

Nahezu Dreiviertel der in Gang gesetzten Gruppen waren auch ein Jahr nach Abschluss der Begleitung weiterhin stabil und arbeiteten selbständig weiter. Das ist ein hoher Anteil, insbesondere angesichts der „Schwere“ mancher Anliegen, zu denen Gruppen in Gang gesetzt wurden.

Der Ansatz trägt
Das Hauptaugenmerk wird beim Ansatz der In-Gang-Setzung auf die Gründungsphase von Selbsthilfegruppen gelegt. Doch auch bereits bestehende Selbsthilfegruppen können von dieser Vorgehensweise profitieren. Daher wird an einigen Standorten die Erweiterung des Ansatzes als Hilfe auch für bereits aktive Gruppen („Wieder-In-Gang-Setzung“) erprobt. Gleiches gilt für die Gründung von Selbsthilfegruppen, wenn kein „Initiator“ bereit ist, aktiv zu werden, der Bedarf nach einer Selbsthilfegruppe aber offensichtlich ist.

Seit 2017 stehen bisher für das Selbsthilfeengagement nur schwer erreichbare Zielgruppen im Zentrum des Projektes: Ist der Ansatz der In-Gang-Setzung ein möglicher Weg, um neuen, bisher in der Selbsthilfe unterrepräsentierte Zielgruppen den Zugang zu Selbsthilfegruppen zu erleichtern? Dies wird aktuell für Menschen mit Migrationshintergrund und in Pflegesituationen erprobt.

Informationsmaterialien
• Das ausführliche Projekt-Handbuch (90 Seiten, Stand 2011) steht als Download auf der Homepage zur Verfügung: www.in-gang-setzer.de

• Der Film „In-Gang-Setzer® – Selbsthilfegruppen anstoßen“
(23 Min.) stellt exemplarisch eine Schulung von In-Gang-Setzer vor und beschreibt die grundlegenden Ansatz des Projektes. Der Film kann kostenfrei (solange Vorrat reicht) per E-Mail angefordert werden.

Gesamtleitung des Projektes, Kontakt:
Andreas Greiwe, Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW
Tel.: 02572 95 35 66; mobil: 0172 21 65 574
E-Mail: in-gang-setzer@paritaet-nrw.org

Rechengrößen 2019

Informationen zum Thema was sich zum Jahreswechsel 2018/2019 im Mitgliedschafts- und Beitragsrecht der GKV ändert.