Daten des BKK-Landesverbandes NORDWEST zeigen, dass 80 Prozent der BKK-Versicherten in NRW gehen demnach mindestens einmal im Quartal zum Arzt. Im Schnitt sind es sogar fünf Arztbesuche pro Patient. Für die 2,3 Millionen BKK-Versicherten in NRW heißt das: Sie kommen auf insgesamt fast neun Millionen Kontakte zu einem Arzt innerhalb von drei Monaten. Davon ging es 2,6 Millionen Mal in eine Hausarztpraxis und rund vier Millionen Mal zu Fachärzten – Kinderärzte und Psychotherapeuten machen die übrigen Kontakte aus. Jeder vierte Patient geht lediglich zum Hausarzt. In 20 Prozent der Fälle wird ein Patient beim Facharzt vorstellig, ohne vorher mit dem Hausarzt gesprochen zu haben.

„Im Moment entscheidet der Patient darüber, zu welchem Arzt er geht – und das ist derjenige, der dafür am wenigsten ausgebildet ist. Wenn Praxen Patienten besser leiten können, wird auch die Versorgung besser.“, so Dr. Dirk Janssen, Vorstand BKK-Landesverband NORDWEST.

Wir weisen darauf hin, dass die Daten nicht auf die gesamte deutsche Bevölkerung übertragbar sind und auf den ersten beiden Quartalen des Jahres 2024 beruhen. Sie bestätigen aus Sicht der Betriebskrankenkassen aber einen Trend.  Die Daten zeigen auch deutliche Unterschiede nach Alter, Geschlecht und Wohnort: Jüngere Menschen gehen seltener zum Arzt. Frauen suchen bereits ab der Pubertät häufiger Arztpraxen auf als Männer – wohl unter anderem wegen gynäkologischer Untersuchungen. Männer hingegen gehen im höheren Alter mehr zum Arzt als Frauen, teilweise bis zu achtmal pro Quartal. Regional auffällig: In Nordrhein, wo die Arztdichte höher ist als im westfälischen Teil von NRW, finden häufiger Arztbesuche statt.

Wir schlagen deshalb die Weiterentwicklung der bestehenden Rufnummer 116117 vor, die bisher für den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Terminvermittlung genutzt wird. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) könnte diese Nummer zu einer Patientenleitstelle ausgebaut werden, die Krankengeschichten und die Dringlichkeit von Anliegen beurteilt.