Die Krankmeldungen in Schleswig-Holstein haben im Jahr 2023 mit 8,5 % über Bundesdurchschnitt und Fehlzeiten von 24,2 AU-Tagen je Beschäftigten den höchsten Wert seit sechs Jahren erreicht. Rund 43 % der Krankmeldungen dauerten länger als 6 Wochen.  1-6 Wochen waren 35,4 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer krankgeschrieben –  weniger als 8 Tage 21,6 %.

Im vergangenen Jahr betrug das Durchschnittsalter der Beschäftigten 43,7 Jahre im Vergleich zu 43,2 Jahre im Bundesdurchschnitt. Die AU-Tage von Frauen lagen anteilig bei 48,8 %, zu 46,2 % im Bundesdurchschnitt. Bei der Betrachtung der zeitlichen Entwicklung sind die AU-Tage in Schleswig-Holstein insgesamt in den beiden letzten Jahren (2022, 2023) deutlich angestiegen (siehe Diagramm 1).  Besonders deutlich wird das, schaut man sich etwa die Zeitschienen von Städten wie Kiel und Lübeck an.

AU-Tage fallen je nach Stadt sehr unterschiedlich aus

Die vom BKK Dachverband ermittelten AU-Zeiten Beschäftigter, die bei einer BKK versichert sind, weisen vor allem im Städtevergleich zwischen Hamburg, Kiel und Lübeck eine hohe Diskrepanz auf. Während Lübeck mit 21,3 % und Kiel mit 10,2 % signifikant über dem Bundesdurchschnitt liegen, kommt Hamburg mit – 10,4 % zu erheblich weniger AU-Tagen als der Bundesdurschnitt.

Betrachtet man das jeweilige Durchschnittsalter (siehe unten: Hintergrund Basisdaten), spielt der demographischen Faktor ‚Alter‘ allein nicht die ausschlaggebende Rolle.

Entwicklung der häufigsten Krankheitsbilder

Bei der zeitlichen Analyse nach Krankheiten fällt bei Atemwegserkrankungen in Schleswig-Holstein die Delle in 2021 auf und darauffolgend der starke Anstieg in den Jahren 2022 und 2023. (Siehe Diagramm 2) Waren es im Vergleich zum Vorjahr in 2021 31,3 % weniger AU-Tage, so stieg die Anzahl in 2022 massiv um 176,9 %.

Bei Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems dagegen gestaltet sich die Zeitreihe für Schleswig-Holstein insgesamt eher homogen. (Diagramm 3)

Auffallend dagegen ist der starke Anstieg psychischer Störungen im Bundesland – gerade beim weiblichen Anteil der beschäftigten Mitglieder. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der AU-Tage bei Männern und Frauen in 2023 um 12,7 %. (Diagramm 4) Eine Ausnahme macht hier wieder Hamburg: Dort gingen die AU-Tage aufgrund psychischer Störungen im Jahr 2022 sogar zurück, um dann in 2023 vor allem bei den Frauen in die Höhe zu schnellen.

In Bezug auf die Muskel-Skelett-Erkrankungen ist die Tendenz in Hamburg verglichen mit den Jahren 2016 und 2017 sogar eher rückläufig. Insgesamt stellt sich dieses Zeit-Diagramm eher homogen dar.

Ursachen und Gründe

Die Herleitung der Städte-Unterschiede lässt sich nicht einfach auf eine Ursache zurückführen. Vielmehr summieren sich mehrere kleinere, aber relevante Faktoren auf. Für das Bundesland Schleswig-Holstein insgesamt geben Faktoren wie beispielsweise die Branchenverteilung und Tätigkeitsmerkmale Aufschluss. Denn diese sind auch Indikatoren für soziale Gründe.

Auffällig für Schleswig-Holstein ist, dass hier der Anteil derer, die im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten, größer ist als für die Gesamtheit der BKK versicherten Beschäftigten. Der bundesweite Vergleich der Krankenstände für dies Gruppe zeigt für Schleswig-Holstein überdurchschnittliche Werte. Dies gilt besonders für die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen. Zudem treten gerade im pflegerischen Bereich meist auch hohe Belastungen des Muskel-Skelett-Systems auf. Auch hierdurch entstehen überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten.

Besserer Sozialstatus verhindert Fehlzeiten

Regelmäßig zeigt sich, dass mit steigendem „Sozialstatus“ die Fehlzeiten meist geringer sind (höherer Bildungsabschluss, höheres Ausbildungsniveau und entsprechend komplexere Tätigkeiten in Berufen mit in der Regel höherem Gehalt). Mögliche Ursachen können sein: mehr „Kopfarbeit“, weniger körperliche Belastungen, mehr Handlungsfreiraum bei der Arbeit, größere Gesundheitskompetenz, größere finanzielle Möglichkeiten, etwas für die eigene Gesundheit zu tun.  Diese Merkmale treffen vor allem auf Hamburg zu. Dort ist die Bevölkerung nicht nur jünger, sondern auch tendenziell besser ausgebildet und wohlhabender. In Schleswig- Holstein hingegen geht die Tendenz eher in die andere Richtung (d.h. u.a. weniger Hochschulabsolventen, weniger komplexe oder hochkomplexe Tätigkeiten)

Diese Faktoren tragen mit großer Wahrscheinlichkeit in wesentlichem Maße zu den beschriebenen Unterschieden unter den Krankenständen bei. Darüber hinaus kann es natürlich auch strukturelle Unterschiede geben, z.B. höhere Arztdichte in Hamburg im Vergleich zum „Flächenland“ Schleswig-Holstein.

Hintergrund Basisdaten: AU-Tage SH und ausgewählte Städte

Bundesdurchschnitt 2023: 2237,3 AU-Tage je 100 beschäftigte Mitglieder

 

Bundesland Schleswig-Holstein:  2428,6 AU-Tage je 100 beschäftigte Mitglieder. Das sind 8,5 % mehr als der Bundesdurchschnitt

Länger als 6 Wochen: 43 % | 1-6 Wochen: 35,4 % | weniger als 8 Tage: 21,6 %

Durchschnittsalter: 43,7 Jahre zu 43,2 Jahre im Bundesdurchschnitt

Frauenanteil: 48,8 % zu 46,2 % im Bundesdurchschnitt

 

Hamburg: 2005 AU-Tage je 100 beschäftigte Mitglieder. Das sind 10,4 % weniger als der Bundesdurchschnitt

Länger als 6 Wochen: 40 % | 1-6 Wochen: 36,2 % | weniger als 8 Tage: 23,7 %

Durchschnittsalter: 41,5 Jahre zu 43,2 Jahre im Bundesdurchschnitt

Frauenanteil: 47,3 % zu 46,2 % im Bundesdurchschnitt

 

Lübeck: 2714,4 AU-Tage je 100 beschäftigte Mitglieder. Das sind 21,3% mehr als der Bundesdurchschnitt

Länger als 6 Wochen: 42,8 % | 1-6 Wochen 35,9 % | weniger als 8 Tage: 21,3 %

 

(Der BKK-Landesverband NORDWEST hat die Daten der Ar-beitsunfähigkeitsstatistik 2023 des BKK Dachverbandes für die bundesweit rd. 4 Mio. Beschäftigten, die bei einer BKK versichert sind, unter die Lupe genommen.)

 

 

Der BKK-Landesverband NORDWEST ist die Interessensvertretung der Betriebskrankenkassen und schließt für die Versicherten in NRW, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Versorgungsverträge mit den Partnern im Gesundheitswesen.

 

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